Ferien: Verreisen mit der Patchworkfamilie II

copyright  - PhotoDisc: Familie swDer erste gemeinsame Urlaub ist für viele Patchwork-Familien eine Zerreissprobe.

Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack, Geschäftsführerin des Vereins "Rainbows" hat für kinder.at Tipps und Tricks für einen entspannten Pachtwork-Familienurlaub zusammengeschrieben.

So gelingt der Urlaub in der Patchworkfamilie

Urlaub ist für viele die schönste Zeit im ganzen Jahr. Doch wenn die Erwartungen zu hoch sind, kommt es gerade in dieser Zeit häufig zu Konflikten. Dies hat oft damit zu tun, dass jedes Familienmitglied mit sehr unterschiedlichen und auch ganz besonderen Erwartungen in Urlaub fährt: Die Kinder freuen sich darauf, dass die Eltern viel mit ihnen unternehmen werden, die Mutter will einmal Zeit für sich selbst haben, und der Vater freut sich auf die Zeit zu zweit mit seiner Partnerin.

Daher ist es ratsam, dass gerade Patchworkfamilien von ihrem vielleicht ersten gemeinsamen Urlaub nicht zu viel verlangen. Insbesondere Kinder und Elternteile, die noch wenig miteinander vertraut sind oder sich im Alltag nur wenige Zeit sehen, müssen sich im Urlaub erst aneinander gewöhnen. Enttäuschte Erwartungen enden ansonsten sehr rasch in Beziehungsfrust und Spannungen zwischen den Familienmitgliedern. Ratsam ist es daher, sich auf mögliche Konfliktsituationen einzustellen und sie bereits vor dem Urlaub mit den Kindern zu sprechen. Auch Wünsche und Bedürfnisse jedes einzelnen können so im Vorfeld geklärt und dann im Urlaub beachtet werden.

Im Urlaub lernt man sich oft richtig kennen

Schon in der "normalen Familie" kann Urlaub zu einer Herausforderung werden, Patchworkfamilien, die gemeinsam Urlaub machen wollen, stehen aber häufig vor zusätzlichen Schwierigkeiten. Der Umgang am Wochenende klappt bei vielen Patchworkfamilien in der Regel gut, um sich wirklich "auf die Nerven zu gehen" reicht die Zeit meist nicht aus. Ist die Patchworkfamilie im Urlaub jedoch längere Zeit zusammen, kommen plötzlich unbekannte Gewohnheiten und so manche Eigenart zu Tage die als störend empfunden werden. Streiten dann auch noch die Kinder der Elternteile miteinander, sind Spannungen und Frust zwischen den Erwachsenen nicht mehr weit. Zudem ist der organisatorische Aufwand in neu zusammengesetzten Familien oft von vornherein größer, und der Wunsch, dass alles, was während des Jahres nicht möglich war, nun im Urlaub nachgeholt wird, ist ein kaum einzulösender Anspruch.

Reden hilft immer!

Damit der Urlaub in der Patchworkfamilie gelingt, ist es wichtig, dass jeder – also natürlich auch die Kinder – seine Erwartungen und Wünsche äußert. Damit niemand enttäuscht wird, kann man z. B. vor dem Start einen Plan aufstellen: So kann es einen Eltern-Kind-Tag geben, an dem die leiblichen Eltern etwas mit ihren Kindern alleine machen, weiters einen Eltern-Tag und natürlich auch Aktivitäten, die alle zusammen machen. Probleme sollten angesprochen und Streitmuster wie "deine Kinder, meine Kinder" vermieden werden. Die wichtigste Regel aber ist – besonders im Urlaub – allen Familienmitgliedern Zeit zu geben, sich auch wirklich aneinander zu gewöhnen. Ein Patchworkfamilienurlaub kann jede Menge Spaß machen, und wenn auftauchende Probleme und Spannungen sofort angesprochen werden, können sich in den Ferien neue, positive Beziehungen entwickeln und Wege, Konflikte zu lösen die sich dann auch im Alltag daheim bewähren können. Erzwungen werden kann nichts, besser ist mit Toleranz, Humor und Gelassenheit die gemeinsame Zeit zu erleben und zu genießen.

Tipps für das Gelingen des Urlaubs:

1. Wahl des Urlaubsortes: Es sollte möglichst viele Angebote auch für unterschiedliche Interessen geben – liegt man nur am Strand, kann man sich schnell auf die Nerven gehen. Jeder braucht auch Rückzugsmöglichkeiten, wo man nicht gestört wird und man für sich alleine sein kann.
2. Gemeinsam Erwartungen klären und Absprachen treffen, Kompromisse machen, Ängste, Wünsche etc. artikulieren und bei Problemen das Gespräch suchen.
3. Vorher die Regeln klären – in unterschiedlichen Familien gelten unterschiedliche Regeln - und der Urlaub ist die falsche Zeit, um den anderen seine Familienregeln aufzuzwingen, die man an den Wochenenden sonst nicht benötigte.
4. Die Kinder bestimmen das Tempo, mit dem sie sich an den neuen Lebensgefährten/die neue Lebensgefährtin und dessen/deren Kindern gewöhnen. Außerdem sollten die Kinder nicht automatisch zusammen in einem Zimmer untergebracht werden, außer wenn sie es selber wünschen.
5. Kinder sollten auch im Urlaub nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, wenn es um Entscheidungen geht, die alle betreffen.
6. Neue LebenspartnerInnen müssen die Kinder nicht so lieben wie die eigenen, dürfen aber auch nicht in Konkurrenz mit dem leiblichen Elternteil, der zu Hause ist, treten. Auch dessen Zustimmung ist wichtig für einen entspannten Urlaub. Fühlt er/sie sich durch den Urlaub der Kinder mit einem/r neuen/r PartnerIn bedroht ("heile Familie", die ich nicht bieten kann), können die Kinder den Urlaub nicht genießen, haben Schuldgefühle oder müssen stellvertretend den neuen Partner angreifen.
Urlaub muss nicht perfekt sein – viel wichtiger ist es, Zeit miteinander zu verbringen, den anderen wahrzunehmen und die Entwicklung der Kinder zu fördern.

Die Gastautorin ist Geschäftsführerin des Vereins Rainbows.
Weitere Infos: www.rainbows.at